Perlenwissen

Kulturperle oder Zuchtperle ist der handelsübliche Name für eine durch Implantat von Menschenhand in einem Muschelkörper gewachsene Perle. Sie wird auf Muschelbänken gezüchtet und während ihrer zwei- bis dreijährigen Wachstumsphase intensiv betreut.

 

Akoya-Perle ist eine generelle Handelsbezeichnung für im Japanischen Meer gewachsene Zuchtperlen aus Muscheln der Arten Pinctada martensii und Pinctada fucata. Das Ziel ist die Billdung von möglichst runden gleichmäßigen Perlen. Hierbei wird in die Muschel ein Perlmuttkern eingebracht, um den herum sich Perlsubstanz bildet. Diese Perlsubstanz ist härter und widerstandsfähiger als Perlmutt. Da Akoya-Perlen aus dem Meer kommen und in gleichmäßiger, runder Form, sowie in verschiedenen Größen gezüchtet werden, sind sie immer noch die bevorzugte Wahl für eine klassische Perlenkette.

Muschel mit Akoya-Perle

Akoya-Perlenstränge


 

Süßwasserperlen kommen heutzutage meistens aus China. Neben länglichen und boutonförmigen Formen, ist  es möglich, annähernd runde Perlen von bis zu 12 Millimeter Größe mit feinem Lüster zu züchten. Dazu werden geerntete Perlen mit neuem Epithelmaterial (Mantelgewebe der Muschel) ein zweites oder auch drittes Mal in eine Perlmuschel eingepflanzt. In neuerer Zeit werden chinesische Süßwasserperlen auch mit Nukleus (Kern) gezüchtet, die dann Perlen mit einem Durchmesser von bis zu 14 Millimetern hervorbringen und der japanischen Salzwasserzuchtperle sehr ähnlich sind. Die Züchtung der Süßwasserperlen ist wesentlich einfacher und der Ertrag (pro Muschel bis zu 50 Stück auf einmal bei Süßwasser, bei Akoya dagegen nur 1-2 Stück) ist wesentlich höher, was sich auch in den günstigeren Preisen widerspiegelt.

Süßwasser-Perlen

Süßwasser-Perlen, naturfarben


 

Südsee-Perlen aus der Perlmuschel Pinctada maxima, werden in Indonesien, Australien und auf den Philippinen gezüchtet. Diese Perlenart ist für ihre weißen, silbernen und goldenen Perlen bekannt. Ihr Wachstum dauert normalerweise zwei bis sechs Jahre. In die Muscheln lässt sich immer nur jeweils ein Nukleus implantieren, sie können aber mehrmals nacheinander besetzt und schließlich sogar in die freie Natur entlassen werden, um ihre Gene an zukünftige Generationen weiterzugeben. Südsee-Perlen gehören zu den größten Perlen; meist haben sie 10 bis 16 Millimeter Durchmesser, können aber auch bis zu 20 Millimeter groß werden. Die weißen Perlen passen gut zu hellen Hauttönen und sind nach wie vor die beliebtesten und teuersten Perlen.

Südseeperlenkette

Pinctada Maxima
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Tahitiperlen werden heute in Französich-Polynesien gezüchtet und zwar in der schwarzlippigen Perlenauster Pinctada margaritifera cumingii. Das Farbspektrum umfasst silberfarbene, hellgraue Perlen über Anthrazit bis zu tiefem Schwarz, wobei der Glanz der Perle der sog. Perllüster verschiedene zarte Töne in Gelb , Rot, Grün, Pink oder Blau aufweisen kann. Je nach Form können die Perlen zwischen 8 und 16 mm groß werden.

Die Tahitiperle in der polynesischen Mythologie:
In einer der polynesischen Schöpfungsgeschichten überbringt Tane, der Schöpfer der Welt und Gott der Harmonie und der Schönheit, das Licht in Perlen in die Welt. Die Perlen inspirieren ihn mit ihrer Form und ihrem Glanz zur Erschaffung der Sterne. Nachdem er mit den Sternen den Himmel erleuchtet hat, übergibt Tane die Perlen an Rua Hatu, den Gott des Ozeans, damit er mit ihnen sein Reich beleuchten kann. Der eng mit Tane verbundene Gott des Krieges und des Friedens, Oro, wirbt mit Perlen um eine von ihm begehrte irdische Frau: Er überreicht ihr die beiden Perlen poe rava (pfauengrün) und poe konini, die Perle mit kreisförmigen Rillen, die an die Herkunft der Perle vom Stern Saturn erinnern. Nachdem sein Werben erfolgreich war und er mit seiner Geliebten Nachkommen gezeugt hat, übergibt er die Perlmuschel Te Ufi zur Erinnerung an seine Anwesenheit auf der Erde den Menschen, seitdem lebt sie in den polynesischen Lagunen.

Tahitiperlen in vers. Farben

Tahitiperlen in vers. Größen



 Echte Perlen. Als „echte Perle“ oder „natürliche Perle“ dürfen nur die Perlen bezeichnet werden, die ohne menschliches Eingreifen gewachsen sind. Sie werden auch als „Orient-Perlen“ bezeichnet, wenn sie, wie bis ins 19. Jahrhundert insbesondere im Persischen Golf, von Perlentauchern gefischt wurden. Parallel dazu waren über Jahrhunderte die Flussperlen aus mitteleuropäischen Gebirgsbächen von größter Bedeutung.

Echte Perle auf der Spitze des "Tableau de la Trinité" (ca.1412), im Louvre Museum, Paris

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Keshi-Perlen sind Perlen, die sich ungeplant, in unregelmäßigen und interessanten, erdnussähnlichen und auch flacheren Formen bilden können. Keshi-Perlen entstehen im Mantelgewebe der Muschel und sind kernlos. Sowohl Akoya-, Tahiti-, als auch Südseemuscheln können Keshi-Perlen hervorbringen. Obwohl die Bezeichnung Keshi-Perle für Süßwasserperlen eigentlich nicht zulässig bzw. zutreffend ist, ist der Handel, der Einfachheit halber, dazu übergegangen, bei barocken und  unregelmäßig geformten Süßwasserperlen die Bezeichnung Süßwasser-Keshi anzuwenden.


 

Barockperlen können sowohl auf natürliche Weise, als auch durch Einwirkung von aussen, also durch Züchtung entstehen. Entweder kernlos zwischen Mantel und Schale oder durch ein Perlmuttimplantat in der Muschel. Unter Barockperlen versteht man gemeinhin Perlen mit  länglicher, ungleichmäßiger und/oder tropfenartiger Form, aber auch korpusartige Perlen mit besonderer Form werden Barockperlen genannt.

 

Mabé-Perlen sind Halb-Perlen, welche meistens durch Implantate in Form von Halbkugeln, Herzen, Tropfen etc. gezüchtet werden. Dabei werden entsprechend geformte Implantate zwischen Muschelschale und Mantelgewebe eingesetzt, um die herum sich innerhalb von 6-12 Monaten eine starke Perlmuttschicht bildet. Nach Beendigung des Wachstumsprozesses wird die Perle aus der Schale heraus geschnitten. Der alte Kern wird entfernt und durch einen neuen Perlmuttkern ersetzt, der Boden mit einer leicht gewölbten, Perlmuttplatte verschlossen. Mit dieser verhältnismäßig aufwendigen Weiterverarbeitung können sehr schöne und gleichmäßige Halbperlen mit Größen zwischen 10 und 25 mm geschaffen werden.

 

 

Text: eigene Recherche und Wikipedia "Perle"
Text Tahitiperle: Wikipedia "Tahitiperle"